CCNacht-Archiv



Linux-Cluster
Nachlese der 1. ComputerNacht vom 05./06.12.1998

("Die aufwendigste Sendung des WDR
nach der Fußballweltmeisterschaft 1998")

Rückblick von Wolfgang Back

Es begann alles ganz harmlos - es endete in einem großartigen Medienspektakel, das viel Beachtung fand: Die WDR ComputerNacht im HNF.

Schon vor einem Jahr produzierten wir im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn eine Sendung zum Jahr 2000 Problem. Damals kam die Idee zur Sprache, daß es Sinn und Spaß machen würde, einmal eine lange Sendezeit, eben eine Nacht, live aus dem Museum zu berichten. Als dann noch die 250. Sendung des Computerclubs im Jahre 1998 anstand, konnte man die Idee konkreter angehen.

Der Sendeplatz am Nikolausabend war schnell gefunden und der Programmchef, Herr Nikolaus Brender, machte die Sendefläche für uns frei.

Zusammen mit dem HNF in Paderborn begannen dann langsam die Vorbereitungen. Es wurde immer mehr. Es sollte ein noch nie dagewesenes Medienspektakel werden; Altes sollte mit Neuem verknüpft werden. Ein Vorbild gab es nicht - es mußte geschaffen werden.

Die Idee zur Nacht fand überall Anklang, und schon bald konnte die Schar der Mitstreiter vergrößert werden.

Das Museum war ein idealer Spielort. Die Nacht konnte mit Publikum vor Ort bereichert werden. Rund 2500 Menschen in den verschiedenen Etagen wurden von der Baupolizei genehmigt. Ein einziger Hinweis in einer Computerclubsendung im Oktober genügte, um innerhalb von wenigen Tagen das Kartenkontingent auszuverkaufen. Eine Warteliste von über 800 Interessenten wurde angelegt. Schon bald kam die Idee, den Standort Fürstenallee der Uni Paderborn zusätzlich zu nutzen. Dieses brachte ein weiteres Kontingent, so daß maximal 3190 Menschen - inklusive Funktionspersonal - während der Nacht zugegen sein konnten.

Als dann am Nikolausabend bundesweit Schnee und Eis die Straßen unsicher machten, kam nachmittags die Befürchtung auf, daß man die Sendung wohl in einem leeren Museum machen müsse. Doch weit gefehlt: von den 2300 angemeldeten Zuschauern waren über 2000 in Paderborn. Sie kamen aus ganz Deutschland und aus den benachbarten Beneluxländern.

Das WDR - Fernsehen sendete die Nacht von 23:30 Uhr bis 6:15 Uhr am nächsten Morgen komplett live. Die Einschaltquoten können sich sehen lassen. Im Durchschnitt haben 300.000 Menschen in NRW und 640.000 Menschen in der BRD die Sendung verfolgt. Um 6:15 Uhr wurden in Paderborn vor Ort noch 875 Menschen gezählt, die die ganze Zeit ausgeharrt hatten.

Das Auditorium war während der ganzen Nacht mit Veranstaltungen belegt. Die Diskussionen und die kurzen Showeinlagen wurden in phoenix live ausgestrahlt. Hier sind uns leider keine Einschaltquoten bekanntgegeben worden. Die phoenix - Sendung lief von 24:00 Uhr bis 6:00 Uhr.

Der Deutschlandfunk strahlte die Diskussionen auf seiner Langewelle und im DSR aus; von 23:05 Uhr bis 6:00 Uhr.

Die Deutsche Welle machte ein eigenes Programm zur Nacht. Die Sendungen wurden nach China übertragen. Im Internet lief ein Livestream, der alle Aktionen in chinesischer Sprache übermittelte.

Die Funkamateure, die im HNF eine festinstallierte Funkerbude betreiben, haben während der Nacht ein großartiges Programm zusammengestellt. Sie zeigten, was heute mit Funk alles möglich ist: vom packet radio bis hin zum Amateur TV.

Einige Wochen vor der Sendung meldete sich Tom Schwaller vom Linux - Magazin und kündigte einen Weltrekordversuch bei uns an. Es sollte ein Linux - Cluster mit 512 gleichzeitig laufenden Rechnern realisiert werden. Der Weltrekord lag bis dahin bei 180 Rechnern. Die Unternehmung wurde größer und größer: die meisten Rechner sollten von Privatpersonen gestellt werden, die aus allen Teilen Deutschlands anreisten. 450 Karten mußten reserviert werden. Die rettende Idee konnte umgesetzt werden: die Uni nebenan öffnet die Tore und gibt den Platz für den Clusterversuch. Der Versuch gelang. Gegen drei Uhr in der Nacht waren 570 Rechner angeschlossen, 520 liefen stabil und rechneten einen Film.

Für das Publikum vor Ort und für den Fernsehzuschauer sollten interessante Exponate zu sehen sein. Für die Ausstellungsfläche im HNF und auf verschiedenen Etagen innerhalb des Museums konnten wir 63 Aussteller gewinnen, die während der Nacht Rede und Antwort standen. 63 Aussteller ist zwar keine CeBit, jedoch war es ein Kraftakt, dies alles ordentlich zu organisieren.

Natürlich mußte am Nikolausabend auch der Nikolaus auftreten. Er hatte die Aufgabe, die vielen Preise, die gespendet wurden, auszuloben. Insgesamt konnten Preise im Wert von 90.000 DM verlost werden.

Das Internet war natürlich stark eingebunden. Die Seite www.ccnacht.de generierte 2.035.213 Hits, die gespiegelte Seite ccnacht.paderlinx.de noch einmal 1.170.245 Hits. Insgesamt wurden 12 Gigabytes transferiert, 4000 Emails erreichten während der Nacht den Server.

Ein solches Ereignis kann niemand alleine verwirklichen. Neben den Redaktionsmitarbeitern und den Mitarbeitern beim HNF waren zahllose fleißige Köpfe und Hände vonnöten, um den Erfolg zu sichern.

Vielleicht war es der Start für weitere erfolgreiche "Nächte".